Nach über zwei Jahrzehnten ist es endgültig vorbei: Volkswagen hat die Produktion des Touran eingestellt. Ein neues EU-Sicherheitsgesetz hat das Ende des beliebten Kompaktvans besiegelt.
Der VW Touran war zwar nie das coolste Auto, aber seine Praktikabilität machte ihn besonders bei Familien beliebt. Seit März 2026 ist das Modell nicht mehr als Neuwagen bestellbar, im Konfigurator sind nur noch Fahrzeuge aus dem Lager verfügbar. Ende April 2026 lief das letzte Exemplar vom Band, wie die „Wolfsburger Allgemeine“ berichtet. Ein direkter Nachfolger ist nicht in Sicht.
Das Ende einer Ära
Nach rund 23 Jahren endet die Geschichte eines Fahrzeugs, das vielen Käufern genau das bot, was sie suchten: viel Platz auf kompaktem Raum, variable Sitzkonfigurationen und übersichtliche Abmessungen. Der Touran bot zudem mehr Komfort als Hochdachkombis wie der Caddy, die oft mit Blattfedern ausgestattet waren, um schwere Lasten zu transportieren.
EU-Vorgaben als Auslöser
Das aktuelle Modell des Touran wurde elf Jahre lang produziert. In Zeiten des SUV-Booms sank die Nachfrage, was Volkswagen dazu veranlasste, keine weiteren Investitionen in den Touran zu tätigen. Der konkrete Anlass für die Einstellung ist jedoch die „General Safety Regulation II Stufe C“, die ab Juli 2026 in Kraft tritt. Der inzwischen technisch überholte Kompaktvan erfüllt diese neuen Anforderungen nicht mehr. Volkswagen hat sich daher entschieden, auf eine Überarbeitung des Modells zu verzichten, da der Aufwand als zu hoch erachtet wurde. Probleme mit Antrieb sind ein weiteres Thema, das die Automobilindustrie beschäftigt.
Ein beliebtes Familienauto
Als die erste Generation des Touran im Jahr 2003 auf den Markt kam, traf Volkswagen den Nerv der Zeit. Der Van basierte auf der Technik des Golf V, bot jedoch deutlich mehr Platz im Innenraum und konnte auf Wunsch mit bis zu sieben Sitzen ausgestattet werden. Insgesamt fanden rund 2,3 Millionen Exemplare Käufer. Der Einstiegspreis lag bei der Markteinführung bei etwa 20.000 Euro, während er zuletzt über 42.000 Euro betrug. Daimler Truck sieht ebenfalls Herausforderungen in der aktuellen Marktlage.
Besonderes Kapitel deutscher Industriegeschichte
Die Produktion des Touran war auch ein bedeutendes Kapitel in der deutschen Industriepolitik. Zunächst wurde das Modell von der Auto 5000 GmbH gefertigt, einem Gemeinschaftsprojekt von Volkswagen und IG Metall, das Anfang der 2000er-Jahre ins Leben gerufen wurde. Unter dem Motto „5000 mal 5000“ sollten 5.000 Arbeitslose für 5.000 D-Mark brutto eingestellt werden, um Industriearbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Im Jahr 2009 wurden die Mitarbeiter vollständig in die Volkswagen AG integriert.
Der Rückzug aus dem Familiensegment
Mit dem Touran verschwindet eines der letzten klassischen Familienautos deutscher Hersteller, die nicht im SUV-Segment angesiedelt sind. Bereits 2022 stellte Volkswagen den größeren Sharan ein, und auch Mercedes verabschiedete sich von der B-Klasse. Der BMW 2er Active Tourer bleibt als einziges Modell in dieser Kategorie übrig. ZF Friedrichshafen hat ebenfalls mit Herausforderungen zu kämpfen.
Wer weiterhin ein praktisches Familienauto sucht, findet Alternativen vor allem bei Hochdachkombis wie dem Caddy oder dem Renault Kangoo sowie bei großen elektrischen Vans. Allerdings unterscheiden sich diese Konzepte sowohl preislich als auch hinsichtlich der Kombination von Komfort und Nutzwert erheblich.
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Quellen: t-online, autoimabo, de.wikipedia
Bildquelle: Vauxford via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)