Politik
Bundesregierung lagert Millionen Dosen Corona-Impfstoff: Rückgang der Nachfrage
02.06.2026, 04:38 Uhr
In der Corona-Pandemie waren Impfstoffe Mangelware, doch mittlerweile sind sie im Überfluss vorhanden. Im Zentrallager des Bundes befinden sich noch über sieben Millionen Impfdosen. Die bestehenden Verträge belasten den Steuerzahler jährlich mit einem dreistelligen Millionenbetrag.
Gut drei Jahre nach dem offiziellen Ende der Corona-Pandemie sind weiterhin Impfstoffvorräte im zentralen Lager des Bundes vorhanden. Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums lagern dort noch 7,6 Millionen Dosen des Impfstoffs Comirnaty LP.8.1 des Herstellers Biontech. Weitere Lieferungen an den Bund sind nicht mehr vorgesehen, da die Erfüllung der laufenden Verträge abgeschlossen ist. Der Bund stellt die Impfdosen nur auf Bestellung zur Verfügung. Die in der akuten Krisensituation hohe Nachfrage ist seit geraumer Zeit deutlich gesunken.
Vorsorge für zukünftige Pandemien
Im Hinblick auf die Vorsorge für mögliche zukünftige Pandemien stehen geplante Einschnitte bei den Produktionsstätten von Biontech unter Beobachtung. Sollte das Unternehmen aufgrund angekündigter Standortschließungen die Voraussetzungen für einen bestehenden Bereitschaftsvertrag nicht mehr erfüllen können, müssten mögliche Konsequenzen geprüft werden, so das Ministerium. Diese Einschnitte könnten weitreichende Folgen für die Impfstoffproduktion haben.
Die Bundesregierung hat Verträge mit drei in Deutschland ansässigen Unternehmen abgeschlossen, die im Falle einer Pandemie die Abrufbereitschaft der Produktionskapazitäten für Impfstoffe sicherstellen sollen. Neben Biontech sind dies IDT Biologika und Wacker/Corden Pharma. Biontech hatte kürzlich angekündigt, die deutschen Produktionsstätten seines Corona-Impfstoffes zu schließen. Die Herstellung soll künftig vollständig über Standorte des US-Partners Pfizer in Europa und Amerika erfolgen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sind solche Entscheidungen kritisch zu betrachten.
Politische Reaktionen
Die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen, Paula Piechotta, äußerte, dass die Bereitschaftsverträge eine der Lehren aus der Pandemie seien, um in der nächsten Krise ausreichend Produktionskapazitäten auf europäischem Boden bereitzustellen. Nachdem andere Hersteller bereits ausgestiegen seien, drohe nun der Verlust des relevantesten Herstellers, warnte sie in Bezug auf Biontech. „Die Bundesregierung muss prüfen, ob sie Biontech durch das Einfordern der Pandemiebereitschaftsverträge dazu zwingen kann, Produktionskapazitäten in Deutschland aufrechtzuerhalten,“ sagte Piechotta.
Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass angesichts der Haushaltslage die Versuchung groß sei, dafür vorgesehene Millionen einfach einzusparen. Im Etat 2026 sind für die Finanzierung von Pandemiebereitschaftsverträgen insgesamt 336 Millionen Euro eingeplant, für 2027 sind es rund 175 Millionen Euro. Die Verträge laufen nach Angaben des Ministeriums zwischen 2027 und 2029 aus.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: depositphotos