Russische Tanker steuern zunehmend die deutsche Ostseeküste an
Die Bewegungen russischer Tanker, die als Teil einer mutmaßlichen Schattenflotte gelten, haben in den letzten Monaten besorgniserregend zugenommen. Greenpeace berichtete, dass zahlreiche dieser Schiffe ihre Routen näher an der deutschen Küste ausrichten.
Eine Analyse von Greenpeace zeigt, dass zwischen dem 6. März und dem 16. Juni 42 von insgesamt 136 identifizierten Tankern, die der Schattenflotte zugerechnet werden, in der Nähe der deutschen Ostseeküste, insbesondere um Rügen, gesichtet wurden. Im Vorjahreszeitraum war in dieser Region kein einziges Schiff dieser Kategorie registriert worden, was einen signifikanten Anstieg darstellt.
Schweden intensiviert Maßnahmen gegen die Schattenflotte
In der Vergangenheit hat Schweden verstärkt gegen Tanker vorgegangen, die als Teil der Schattenflotte gelten, und mehrere dieser Schiffe gestoppt. Diese Aktionen haben offenbar dazu geführt, dass die Tanker nun größere Abstände zur schwedischen Küste einhalten und stattdessen Kurs auf die deutschen Gewässer nehmen.
Thilo Maack, ein Meeresbiologe von Greenpeace, fordert die deutsche Regierung auf, entschlossener gegen diese Schattenflotte vorzugehen. Er hebt hervor, dass die schwedische Vorgehensweise als Vorbild dienen kann, um mit Tankern umzugehen, die unter falscher Flagge fahren und häufig nicht versichert sind. Greenpeace hat wiederholt die zuständigen deutschen Behörden über derartige Tanker informiert, doch bisher blieben Kontrollen aus.
Überschreitung der 12-Meilen-Zone
Greenpeace berichtet, dass etwa 30 Tanker die 12-Meilen-Zone, die das deutsche Küstenmeer umfasst, durchquert haben. Diese Zone ist gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen für die friedliche Durchfahrt vorgesehen. Die Beurteilung, ob ein Sanktionsverstoß vorliegt, erfolgt durch die zuständigen Behörden im Einzelfall.
Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums
Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums, welches für Zollangelegenheiten zuständig ist, erklärte, dass derzeit keine Informationen darüber vorliegen, welche Schiffe Greenpeace konkret der Schattenflotte zuordnet. Daher könne die genannte Statistik nicht verifiziert werden. Zudem wurde betont, dass aus sicherheitsrelevanten Gründen keine Stellungnahme zu einsatztechnischen Hintergründen und operativen Details gegeben werden kann.
Umweltbedenken durch die Schattenflotte
Greenpeace weist auch auf die potenziellen Umweltgefahren hin, die aus einer Havarie von Tankern der Schattenflotte resultieren könnten. Die Organisation warnt, dass es sich häufig um überalterte und unzureichend gewartete Schiffe handelt, die oft nicht ausreichend versichert sind.
Diese Schattenflotte wird von Russland genutzt, um die Sanktionen zu umgehen, die von westlichen Ländern im Rahmen des Ukraine-Kriegs verhängt wurden. Neben Schweden haben auch andere Länder wie Frankreich und Großbritannien mutmaßliche Tanker der Schattenflotte gestoppt.
Quellen: n-tv, audimax
Bildquelle: Unknown via Wikimedia Commons (Public domain)