Ein massiver Felssturz im Tracy-Arm-Fjord in Alaska hat im Sommer 2025 einen der höchsten jemals registrierten Tsunamis ausgelöst, der eine Höhe von nahezu 500 Metern erreichte.
Gigantischer Bergrutsch als Auslöser
Der Felsabbruch wurde durch den Rückzug des South-Sawyer-Gletschers verursacht. Die Abbruchkante befand sich etwa 1.025 Meter über dem Meeresspiegel, während der abgerutschte Gesteinskeil an einigen Stellen eine Dicke von 281 Metern und eine Breite von bis zu 650 Metern aufwies. Schätzungen zufolge stürzten mindestens 63,5 Millionen Kubikmeter Gestein in den Fjord, wobei seismische Berechnungen sogar ein mobilisiertes Volumen von bis zu 142 Millionen Kubikmetern angeben. Dies entspricht in etwa dem Volumen von 25.000 olympischen Schwimmbecken.
Die freigesetzte Energie war derart enorm, dass weltweite Seismometer den Hangrutsch als Erdbeben der Magnitude 5,4 registrierten. Damit zählt dieses Ereignis zu den bedeutendsten Bergstürzen der letzten drei Jahrzehnte.
Die Welle und ihre Auswirkungen
Die genaue Höhe der Tsunamiwelle wurde durch Satellitenbilder und eine Vor-Ort-Untersuchung im Oktober 2025 ermittelt. An der gegenüberliegenden Fjordwand, etwa 3,3 Kilometer von der Abbruchstelle entfernt, wurde die Vegetation bis in eine Höhe von 481 Metern abgerissen. Die Strömungsgeschwindigkeiten erreichten laut Modellrechnungen nahezu 70 Meter pro Sekunde, was etwa 250 Kilometern pro Stunde entspricht.
Ein glücklicher Zufall ohne Opfer
Die Tatsache, dass das Ereignis ohne menschliche Verluste blieb, war reiner Zufall. Der abgelegene Fjord südlich von Juneau gehört zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Alaskas. In der Hochsaison befahren mehr als 20 Ausflugsboote und Kreuzfahrtschiffe, einige mit Tausenden von Passagieren, diesen Fjord. Hätte sich die Katastrophe nur wenige Stunden später ereignet, wären vermutlich zahlreiche Opfer zu beklagen gewesen.
Zum Zeitpunkt des Bergrutsches lag das Schiff „National Geographic Venture“ mit etwa 150 Personen an der Fjordmündung vor Anker. Der Kapitän berichtete von starken Strömungen und Schaumkronen, während dichter Nebel die Sicht erheblich einschränkte.
Ein seltenes Naturereignis
Eine Gruppe von Kajakfahrern, die etwa 55 Kilometer entfernt auf Harbor Island campierte, wurde um 5:45 Uhr morgens durch eindringendes Wasser in ihren Zelten geweckt. Eines ihrer Kajaks und ein Großteil ihrer Ausrüstung wurden fortgerissen. In der benachbarten No Name Bay beobachtete ein Zeuge auf der Motorjacht „Blackwood“ eine brechende Welle von zwei bis zweieinhalb Metern Höhe, gefolgt von einer weiteren Welle von etwa einem Meter Höhe.
Selbst rund 85 Kilometer entfernt, im Fords-Terror-Fjord, hob das Wasser ein kleines Kreuzfahrtschiff trotz fallender Tide um etwa drei Meter an. In Juneau, etwa 130 Kilometer vom Ereignisort entfernt, registrierte ein Pegel der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) noch eine Welle mit einer Höhe von 40 Zentimetern.
Klimawandel als Hauptursache
Die Forscher machen den menschengemachten Klimawandel für das Ereignis verantwortlich. Der South-Sawyer-Gletscher zieht sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer schneller zurück: 1898 füllte er den Fjord nahezu vollständig aus, bis 1979 hatte er sich um etwa sechs Kilometer zurückgezogen. Allein im Frühjahr 2025 schmolz er um weitere 500 Meter zurück und legte den Hangabschnitt frei, der schließlich abrutschte.
In der Region sind die Sommertemperaturen seit Beginn des Industriezeitalters um etwa 1,1 Grad Celsius gestiegen – ein Anstieg, der laut den Berechnungen der Studienautoren vollständig auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Mit dem Rückgang des Eises fehlt den steilen Felswänden der natürliche Halt, wodurch sie anfälliger für Abbrüche werden.
Kaum Vorboten erkennbar
Bemerkenswert ist, dass sich das Ereignis nur durch sehr feine Signale ankündigte. Zwar registrierten Seismometer in den Stunden vor dem Bergrutsch eine zunehmende Mikroseismizität, deren Frequenz exponentiell anstieg. Auf hochauflösenden Satellitenbildern waren jedoch keine sichtbaren Risse oder Hangverformungen zu erkennen.
Die Forscher warnen, dass solche kaskadierenden Ereignisse in arktischen und subarktischen Fjorden in Zukunft häufiger auftreten könnten. Sie plädieren für eine systematische Überwachung instabiler Hänge und realistische Tsunami-Szenarien für betroffene Regionen.
Quellen: web, science, earthsky
Bildquelle: depositphotos