Im milliardenschweren Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat hat Bayer vor dem Obersten Gerichtshof der USA einen bedeutenden Erfolg erzielt, der das Unternehmen potenziell vor zahlreichen Klagen schützen könnte. Diese Entscheidung stellt klar, dass Bayer nicht für das Fehlen von Krebswarnhinweisen auf den Verpackungen seiner Produkte zur Verantwortung gezogen werden kann.
Urteil des Obersten Gerichtshofs und seine Auswirkungen
Das Gericht entschied, dass in den USA einheitliche Kennzeichnungen von der Regierung vorgeschrieben sind, was bedeutet, dass individuelle Anforderungen einzelner Bundesstaaten nicht zulässig sind. Diese rechtliche Klarheit könnte dazu führen, dass viele Klagen, die auf angeblich fehlenden Warnhinweisen basieren, abgewiesen werden.
Die Bayer-Aktie reagierte positiv auf das Urteil und stieg zeitweise um etwa 15 Prozent. Der Konzern begrüßte diese Entscheidung als einen Fortschritt für Wissenschaft, Landwirte und Branchen, die auf regulatorische Sicherheit angewiesen sind.
Die Rolle der EPA und frühere Studien
Bayer argumentierte, dass die US-Umweltbehörde (EPA) in Bezug auf Glyphosat keine Gesundheitsrisiken sieht, sofern das Produkt entsprechend den Vorschriften verwendet wird. Die EPA hatte das Produktlabel ohne entsprechende Warnhinweise genehmigt, was nach Bayer bedeutet, dass Schadenersatzansprüche auf Basis von Landesrecht nicht haltbar sind.
Eine bedeutende Studie aus dem Jahr 2000, die lange Zeit als Beweis für die Sicherheit von Glyphosat diente, wurde jedoch Ende 2025 von der Fachzeitschrift „Regulatory Toxicology and Pharmacology“ zurückgezogen, was die Diskussion um die Sicherheit des Herbizids neu entfachte.
Einblicke in die Klägerlage
Der Fall des Klägers John Durnell, der ursprünglich im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt wurde, verdeutlicht die Risiken für Bayer. Die Geschworenen hatten entschieden, dass das Unternehmen verpflichtet gewesen sei, eine Krebswarnung auf den Verpackungen von Roundup anzubringen, und sprachen dem Kläger 1,25 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) zu.
Bayer wählte diesen Fall aus, um vor dem Obersten Gerichtshof ein Grundsatzurteil zu erwirken. In den letzten Jahren hat das Unternehmen jedoch in 17 der letzten 25 Verfahren positive Urteile erzielt, was auf eine wachsende rechtliche Verteidigung hindeutet.
Bayers Strategie und Europäische Union
Bayer-Chef Bill Anderson, der seit Juni 2023 im Amt ist, hat sich das Ziel gesetzt, die Rechtsstreitigkeiten in den USA bis Ende 2026 signifikant zu reduzieren. Diese Rechtsstreitigkeiten sind in erster Linie eine Folge der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto im Jahr 2018, die mit einem Anstieg der Klagen einherging.
In der Europäischen Union ist Glyphosat ebenfalls zugelassen, jedoch unter zeitlichen Beschränkungen. Im Jahr 2023 wurde es für weitere zehn Jahre genehmigt, während die EU-Kommission plant, bestimmte Pestizide, einschließlich Glyphosat, künftig zeitlich unbegrenzt zuzulassen, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.
Quellen: n-tv