Nach zehn Jahren Pause: Brasilien setzt Ölbohrungen im Amazonasgebiet fort
28.05.2026, 03:47 Uhr
Bei der UN-Klimakonferenz in Brasilien hat Präsident Luiz Inácio Lula da Silva für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern geworben. Dennoch kündigte er die Wiederaufnahme von Ölbohrungen im Amazonasbecken an. Damit hat die brasilianische Regierung die Frist für eine weitere Verpflichtung im Klimaschutz bereits überschritten.
Präsident Lula und der staatliche Ölkonzern Petrobras haben bekannt gegeben, dass nach einer zehnjährigen Unterbrechung die Bohrungen im Amazonasgebiet wieder aufgenommen werden. „Wir lieben Brasilien, wir lieben Petrobras, wir wollen gut leben, gut arbeiten und gut studieren, und das ist nur mit wirtschaftlichem Wachstum möglich“, erklärte Lula während einer Zeremonie im nördlichen Bundesstaat Amazonas. Petrobras-Chefin Magda Chambriard kündigte Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Real (etwa 424 Millionen Euro) für die Erschließung von 22 neuen Bohrlöchern im Ölfeld Urucú an, wo die Förderung vor rund vier Jahrzehnten begann.
Widersprüchliche Ansichten zur Energiepolitik
Lula setzt sich für einen schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ein, um den Klimawandel zu bekämpfen. Gleichzeitig ist er der Überzeugung, dass Brasilien – das im vergangenen Jahr der neuntgrößte Ölproduzent der Welt war – die Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Brennstoffe benötigt, um die Energiewende zu finanzieren. In diesem Kontext ist es wichtig zu beachten, dass Brüssel gezielte Hilfen plant, um den Herausforderungen der Energiekrise zu begegnen.
In den letzten zehn Jahren hatte Petrobras in der Amazonasregion keine neuen Bohrungen durchgeführt. Das Gebiet ist bekannt für das größte Onshore-Ölvorkommen Brasiliens. Im Jahr 2025 stammten etwa acht Prozent der nationalen Erdgasproduktion von diesem Standort, der für die Energieversorgung des vergleichsweise armen Nordens Brasiliens von großer Bedeutung ist. Klimaschützer äußern scharfe Kritik an der Wiederaufnahme der Ölbohrungen und fordern, dass die Zerstörung der Umwelt unbedingt verhindert werden müsse.
Fehlender Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien
Lula, der im Alter von 80 Jahren im Oktober seine Wiederwahl anstrebt, befürwortet zudem ein umfangreiches Ölförderprojekt vor der Küste des Amazonasgebiets. Nahezu 95 Prozent der Ölproduktion des Landes stammen aus Offshore-Vorkommen, die auf Ölinseln im Meer gefördert werden.
Während der UN-Klimakonferenz COP30, die in der brasilianischen Amazonasstadt Belém stattfand, forderte Lula die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, einen „Fahrplan“ für den Ausstieg aus fossilen Energien zu erstellen. Seine eigene Regierung hat jedoch ihren Plan noch nicht vorgelegt, obwohl sie sich verpflichtet hatte, dies spätestens im Februar zu tun.
Quellen: n-tv, audimax